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Es ist Handwerk – keine Zauberei!
Es gibt keine sanitären Anlagen, keinen Strom, kein Wasser, keinen Fernseher und keine Pommes-Bude. Wenn Martin Ritter Erlebnisprojekte durchführt, sind Grenzerfahrungen damit verbunden. „Wir geben einen Erlebnisraum vor, wo Vermeidung praktisch nicht möglich ist und die Auseinandersetzung mit sich, der Gruppe und den Gesetzen der Natur unausweichlich ist“, unterstreicht Ritter das Konzept von „elspäd products limited“, einen in Lindlar ansässigen Unternehmen für Projektentwicklung im Bereich von Jugendhilfe und Schule.
Die Praxis steht im Vordergrund
Was sich dabei so theoretisch anhört, ist letztlich ganz praktisch orientiert: Denn Ritter leitet ein pädagogisch-therapeutisches Zentrum in Steinenbrücke, das täglich mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. „Es kommen vor allem Kinder, die an ADS oder ADHS (Aufmerksamkeits Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) leiden“, erklärt Ritter. Neben der teilstationären Gruppe und den erlebnispädagogischen Projekten arbeitet elspäd, und das ist das dritte Standbein der Firma auch ambulant. „Zu uns kommen Kinder aus ganz Oberberg und auch teilweise Rhein-Berg, die Hilfe benötigen“, so Ritter.
Während die Kinder und Jugendlichen zwischen acht und 18 Jahren, die im Balance-Zentrum in Lindlar ambulant betreut werden, mit weniger intensiven Hilfen auskommen, ist das Arbeiten in der Tagesgruppe besonders intensiv: Die Jugendlichen werden aus der Schule abgeholt, es wird gemeinsam gegessen, gebetet, es werden Hausaufgaben gemacht, Einzel- und Gruppensitzungen abgehalten, Die Kinder lernen, „Bitte“ und „Danke“ zu sagen, manche müssen den Umgang mit Messer und Gabel erst einmal über. Auch körperliche Betätigung gehört dazu: „Holz hacken ist ideal, um Frust abzubauen“, weiß Ritter, Trial, Pfeil- und Bogen-Schießen, Klettern oder Kanu fahren fördern Wahrnehmung, Konzentration, Geschicklichkeit – und nicht zuletzt das Selbstvertrauen.
„Die Grundlage unserer Arbeit ist der Respekt vor dem Menschen“, unterstreicht Ritter, der eng mit den Jugendämtern der Region zusammenarbeitet. Dabei merkt Ritter, der mit einem hoch qualifizierten Team arbeitet, oft schon nach wenigen Wochen Fortschritte. „Die Kinder haben eine niedrige Frustrationstoleranz, kennen keine Werte und Grenzen und in ihrer psychischen Not auch keine Schranken des Zurückhaltens mehr“, weiß der gelernte Sozialarbeiter mit pädagogisch-therapeutischer Zusatzausbildung. „Relativ schnell aber merkt man, wie sie sich besser konzentrieren können. Oft werden auch die Schulnoten besser“.
Dabei sorgen nicht zuletzt die erlebnis-pädagogischen Projekte, die alle Kinder und Jugendlichen der Tagesgruppe und im ambulanten Bereich durchlaufen, für Fortschritte.
„Die garantieren wir sogar“, sagt Ritter. „Und das ist Handwerk, keine Zauberei.“
Durch das enge Aufeinanderhocken und die schwierigen Bedingungen „knalle“ es in der Regel nach drei Tagen. „Durch die intensive Begleitung lernen die Kinder jedoch auch für den Alltag, mit ihren Problemen umzugehen und sie nicht mit Gewalt lösen zu wollen“, unterstreicht Riter. „Und sie spüren den Vorteil und nehmen es als positiv wahr, mit Konflikten umgehen zu können.“ Mehr und mehr können die Kinder und Jugendlichen auch Lob annehmen, gleichzeitig erwächst daraus Selbstvertrauen. „Streiten ist wichtig. Es ist nicht immer alles Friede, Freue, Eierkuchen“, so Ritter: „Man muss bloß damit umgehen können.“
Ritter selbst freut sich über die Fortschritte, die „seine“ Jugendlichen über die Zeit der Betreuung machen. Im Schnitt sind die Kinder ein Jahr in der Tagesgruppe – und da wird bei aller Sympathie knallhart gearbeitet. Ritter: „Wer drin ist, ist drin – und wer nicht mitmacht, ist weg vom Fenster.“
- Bergische Landeszeitung / 17. März
2010
Ohne Handy und Süßigkeiten
25 Schüler der Käthe-Kollwitz-Förderschule lebten acht Tage im Gelände
"Um es direkt einmal vorweg zu nehmen", sagte Gunnar Schielke schmunzelnd. Konrektor der Rösrather Käthe-Kollwitz-Förderschule: "Alle Schüler haben die Woche gut überstanden und sind wohlbehalten zu ihren Familien zurückgekehrt." Gut zu wissen, denn was 25 Oberstufen-Schüler der Rösrather Käthe-Kollwitz-Förderschule auf sich nahmen, war keineswegs alltäglich: Unter dem Motto "Grenzen erleben mit Spaß und Natur" zogen die Schüler mit drei Lehrern und fünf Pädagogen des "Elspäd-Products-Limited" -Programms aus Lindlar los, um eine Woche lang, fernab von Handy Fernsehen und Süßigkeiten ein Leben in freier Natur zu führen.
Camp auf Kuhwiese aufgeschlagen
Gesponsert durch die Stiftung "Partner für Schule" ging es mit dem Fahrrad von Rösrath aus 32 Kilometer weit in Richtung Breun, wo die Teilnehmer auf einer Kuhwiese ihr Camp aufschlugen. "Wir hatten im Vorfeld große Bedenken, ob die Schüler nicht schon an der Fahrradtour scheitern werden, da erst zwei der Teilnehmer eine solch lange Strecke zurückgelegt hatten. Doch unsere Sorgen waren völlig unbegründet", erklärte Schielke. Vor Ort stand jede Menge Arbeit auf dem Programm: Von der Errichtung der Zelte über die tägliche Verpflegung bis hin zu den sanitären Anlagen lag alles in den Händen der Schüler: "Die Schüler arrangierten sich äußerst schnell mit den Begebenheiten vor Ort", so sei es zwar am Anfang zu unglaubwürdigen Blicken gekommen, als der Donnerbalken als sanitäre Anlage präsentiert wurde, "doch was sollten die Jugendlichen denn machen? Sie mussten es so hinnehmen", so Schielke.
Das Hauptanliegen der Schule liegt besonders in der Oberstufe neben der Vermittlung von Sachwissen darin, die Jugendlichen im Hinblick auf den Übergang Schule-Beruf vorzubereiten und entsprechend zu stärken. Dazu gehört in der Förderschule besonders die Überwindung von Handicaps, die im Hinblick auf ein Bestehen in der späteren Berufswelt hinderlich sind. "Als ein solches Handicap haben wir speziell das Thema Belastbarkeit aufgegriffen. Aus den erlebten Grenzerfahrungen heraus lernen unsere Schüler mit außergewöhnlichen Belastungen umzugehen und Bewältigungsstrategien für solche Situationen zu entwickeln. Die Schüler sollen davon überzeugt werden, dass sie mit Mut den Wechsel von der Schule in den Beruf schaffen werden", erklärte Schielke. Die Jugendlichen der Klassen acht, neuen und zehn handelten dabei sowohl auf sich allein gestellt als auch im Team, wobei Martin Ritter, der Leiter des "Elspäd-Products-Limited"-Programms, gemeinsam mit seinem Team ein besonderes Augenmerk auf die Teamfähigkeit der Jugendlichen warf.
Damit an den fünf Tagen keine Langweile aufkommen konnte, erhielt jede Zeltgruppe feste Aufgaben und Programmpunkte, wie Geländespiele, oder die Arbeit im Küchenzelt. "Großen Wert haben wir darauf gelegt, dass die Kinder nach jeder Einheit in einer Reflexionsphase die Möglichkeit haben, über ihr Erlebnisse zu sprechen", so Schielke. Auch wenn am Ende die Kraft fehlte, mit dem Fahrrad den Weg nach Hause anzutreten, zeigten sich alle Schüler äußerst Stolz, die "Expedition-Wildnis" überstanden zu haben: "Es gab kleine Streitereien und Uneinigkeiten, die aber schnell ausgeräumt waren. In Sachen Belastbarkeit, Durchhaltevermögen, Teamfähigkeit und Konfliktfähigkeit haben die Schüler in dieser Woche sehr viel dazu gelernt, was ihnen in der Berufswelt weiterhelfen wird." Für die Zukunft plant der Konrektor weitere Expeditionen mit achten Klassen der Förderschule.
- Kölner Rundschau / Rhein-Berg / Freitag 10. Oktober 2008
Konzentration aufs Wesentliche - Eine Woche Verzicht geübt
Kein Handy, keine Dusche, alles selbst organisieren - Rösrather Schüler erfahren beim Projekt Erlebnispädagogik ihre Grenzen und überwinden Ängste.
Von Gisela Schwarz “
Schon die Fahrradtour von Rösrath durch das Sülztal auf die Waldwiese hinter dem Dorf Lindlar-Breun war eine erste Anstrengung für die 16 Jungen und neun Mädchen der Käthe-Kollwitz-Förderschule in Rösrath. Der Abschied von den Eltern, dann 32 Kilometer Radfahren ins Ungewisse - eine echte Herausforderung für die Acht- bis Zehntklässler, die Handy, Süßigkeiten und allerlei Annehmlichkeiten hinter sich lassen sollten.
Überleben trotz Regen
Angesagt waren stattdessen: schlafen im Zelt auf der Kuhwiese, Zähne putzen im Freien, Donnerbalken bauen, Holz hacken, Lagerfeuer unterhalten, beim "Fahrrad-Trial" Hindernisse überwinden, beim Bogenschießen die Konzentration aufs Wesentliche üben. "In der ersten Nacht hatten sie Angst zu erfrieren, aber trotz Regen haben alle überlebt", berichtet Gunnar Schielke. Er ist Konrektor der Förderschule, die den Jugendlichen hilft, ihre Lernschwächen einzuschätzen und zu bewältigen. Ängste und Schwächen werden kompensiert mit Beweisen von vermeintlicher Stärke oder Rückzug aus der Gemeinschaft, um keine Blöße zu zeigen. Das sind lauter Handicaps, die später im Berufsleben hinderlich sind. Manch einer hat da schon beim Praktikum das Handtuch geworfen. "Hier in der isolierten Wildnis ist es bisher wunderbar gelungen mit der Selbstorganisation", sagt Schielke mit Blick auf Marco, der unermüdlich die Axt schwingt und Holz hackt: '"Das hat etwas Existenzielles, die Erfahrung zu machen, welche Belastungen man aushält, bewältigt - auch im Miteinander." Wie das funktioniert, wird aus dem Bericht von Patrick und David deutlich. Patrick hatte nach einem schlimmen Unfall Angst vor dem "Fahrrad-Trial". Über glitschige Steine zu fahren im düsteren Wald, das kostete ihn einige Überwindung. "Das war ein dolle Aufgabe - und jetzt ist die Angst weg", sagt Patrick mit Stolz. Freunde will er hier finden, weiterkämpfen und Ausdauer bekommen für später. Sein neuer Freund David klopft ihm auf die Schulter: "Der Patrick kann alles überwinden. Ich auch: Ich hab'keine Angst mehr vor der Dunkelheit." Nur Sonja findet die Erlebnispädagogik ätzend: "Fast wäre ich auf der Fahrt hierhin schon abgestiegen. Ich wollte mich nur noch hinlegen. So ein bisschen vom Thema Selbsterhalt ist auch bei der jngen Dame angekommen. Natalie hingegen hat alles voll im Griff: Wasser schöpfen aus dem Tank für die Nudeln, Geschirrtücher waschen und zum Trocknen aufhängen - das geht alles auch ohne Aufforderung. Auch Probleme werden untereinander gelöst: Zum Beispiel finden es die Mädchen beängstigend, als dei Jungs in der ersten Nacht mit der Taschenlampe um ihr Zelt herumgeisterten. Das wird nicht verschwiegen, sondern ganz offen im Teamgespräch der drei Gruppen artikuliert. Gemeinsam mit Martin Ritter und seinem Team "elspäd-products-limited" aus Lindlar führen die Lehrer der Rösrather Käthe-Kollwitz-Schule die Erlebnispädagogik-Woche durch. Die "elspäd"-Mitarbeiterinnen Jessica und Tina sind Sozialarbeiterinnen und begleiten die Schüler bei ihren Genzerfahrungen in der Natur und im Miteinander. "Die Jugendlichen lernen, mit besonderen Belastungen umzugehen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln", sagt Martin Ritter. "Allein und im Team." Unterstützt wird die Aktion mit 4000 Euro von der Stiftung "Partner für Schule NRW". Die Stiftung hat sich mit dem Innovationsprojekt "Zukunft fördern" das Ziel gesetzt, gemeinsam mit der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit sowie den NRW-Schul- und Familienministerin die Ausbildungsreife der Jugendlichen zu verbessern. Konrektor Gunnar Schielke hofft, das Projekt auch im nächsten Jahr fortsetzen zu können. "Mein Ziel ist, diese Aktion in der achten Klasse zu installieren. Wir versuchen, auf die Dauer Sponsoren dafür zu finden."
- Kölner Stadtanzeiger / Bergisches Land / Montag 06. Oktober 2008
Abenteuer pur mit Motorrad und Plumpsklo
Eine Woche „Natur pur“ mit Motorradfahren. M. Ritter
der das erlebnispädagogische Projekt anbietet, holte die
Jungen mit einem Oldtimer-Feuerwehrauto ab. Von diesem Zeitpunkt
an waren die Jungen sowie die Betreuer quasi abgeschnitten von
der vermeintlichen Zivilisation. „Wir wurden in drei Gruppen
eingeteilt, eine baute Zelte auf, andere bauten eine Dusche
im Wald und wieder andere bauten ein Plumpsklo.“
Schon am ersten Nachmittag durften die 15 Jungen das tun worauf
sie sich am meisten freuten: Motorradfahren. Doch beim Trialfahren
kommt es nicht auf Geschwindigkeit , sondern auf Geschicklichkeit
an.
Am Ende der Woche fand sogar ein Wettbewerb statt. Max Müller
und Moritz Meier durften als beste Fahrer einen Pokal mit nach
Hause nehmen, und andere so wie Mehmet, überwanden ihre
Grenzen und wagten mehr als sie sich zunächst zugetraut
hatten.
Ein Waldtrial im Dunkeln, bei dem sich die Teilnehmer nur auf
ihr Gehör verlassen mussten, der weiße Schäferhund
„Awanee“, Lagerfeuer und anderes rundeten die Abenteuerwoche
ab.
- Remscheider Generalanzeiger vom 25.06.2002 Namen wurden geändert
Wildnis statt Klassenraum
Zusammen mit 13 weiteren Schülern von der Ali – Baba
Schule ließen die beiden Mädchen drei Tage den Schulalltag
hinter sich: Statt Büffeln im Klassenraum Überleben
in der Wildnis. „Wir haben viele Schüler, die
unter Belastung gerne ausweichen, hier geht das nicht “,sagt
Lehrerin Heidemarie Oase.
Trotz der körperlichen Arbeit – die Schüler
(9 bis 16 Jahre) packen gleich mit an, fragen, ob sie Feuerholz
holen oder den Wald erkunden dürfen. Bald brutzelt das
erste gemeinsame Essen über dem Feuer. „Im Unterricht
haben die meisten sonst nicht solche Erfolgserlebnisse, hier
dagegen bin ich überrascht, was meine Schüler alles
können“, sagt Heidemarie Oase. Der 13-jährige
Tom hat sich bereit erklärt, darauf zu achten, dass das
Feuer nicht aus geht. Denn das dient nicht nur zum Kochen ,
sondern wird bald der Treffpunkt im Camp – kein Wunder,
schließlich sinken die Temperaturen in der Nacht auf Samstag
sogar unter Null. Da wird bereits die Auswahl warmer Kleidung
zum Lernprozess. Die anfängliche Unruhe in der Gruppe ist
bald verflogen. Und beim Bogenschießen kommt`s gar vor,
dass die Schüler die Pädagogen zur Ruhe ermahnen.
- Bergische Landeszeitung – Montag 12. Februar 2001
Namen wurden geändert
Überleben in Lindlars Wildnis
Statt wie ihre Klassenkameraden am Strand in der Sonne
zu liegen, auf der Hotelterrasse Eis zu schlecken oder in ferne
Länder zu fliegen, entflohen im Rahmen des Ferienspaß-Programms
2000 Kinder und Jugendliche im Oberbergischen der Zivilisation.
Unter dem Motto „Überleben in der Lindlarer Wildnis“
Das Abenteuer beginnt bereits beim Aufbauen der Zelte im Wald:
ein Teil der Heringe fehlt, so dass aus Ästen Ersatzzeltpflocke
geschnitzt werden müssen. “Für das Essen haben
wir Kräuter gesammelt und in einen Quark getan“,
erzählt die 13 jährige Marion Müller.
In drei Gruppen gehen die jungen Robinsons auf Nahrungssuche
in Wald und Wiese, bauen Totempfähle und üben sich
im Umgang mit Pfeil und Bogen.
Wir arbeiten hier mit Sägen und Äxten beim Holzmachen,
schnitzen mit Messern und kochen auf offenem Feuer – so
etwas geht nur, wenn jeder auf sich selbst und andere Acht gibt,
sagt Martin Ritter, der in seiner Arbeit oft auch mit verhaltensauffälligen
Jugendlichen, die ihm vom Jugendamt zugewiesen werden, ins Waldcamp
zieht. Sogenannte „schwierige“ Jugendliche machen
dort enorme Fortschritte im sozialen Lernen. „in der Natur
kann man sich selbst anders erleben und kommt echter mit sich
und seinen Schwierigkeiten in Kontakt“, erklärt der
pädagogisch-therapeutische Berater.
Ob bei der nächtlichen Signaljagd, bei der frühmorgendlichen
Wanderung oder bei der Entdeckung, dass sich bestimmtes Harz
wie Kaugummi kauen lässt – die 10-bis 14-Jährigen
sind von der Natur fasziniert. - Bergische Landeszeitung
vom 08.07.2000 Namen wurden geändert
Drei Tage Regen und trotzdem Spannung, Spaß und Abenteuer
Trotz schlechter Witterungsverhältnisse (einsetzender Dauerregen)
waren alle sofort mit Begeisterung dabei, das Lager aufzubauen
und sich für drei Tage in der Natur einzurichten.
Es bekam jeder seine Aufgabe innerhalb der zwei Gruppen zugeteilt.
Zu diesen Pflichten gehörte zu aller erst die Versorgung
aller Teilnehmer, das geht über Holz sammeln, Feuer machen,
kochen, spülen, aufräumen und sich gegenseitig helfen.
Im turnusmäßigen Wechsel waren die anfallenden Arbeiten
gerecht verteilt. Topspannend genehmigte Kletteraktion am Viadukt,
der alten Eisenbahnbrücke.
Die Jugendlichen waren aufgeregt, denn es galt, sich von oben
über die Brüstung herabzuseilen und den anderen Teilnehmern
und der Crew zu vertrauen. Dies ist eine der wesentlichen Übungen
des Projekts: Angst überwinden und Selbstvertrauen und
Mut zu entwickeln über Grenzerfahrungen. Das heißt
auch mit sich und der Umwelt verantwortlich umzugehen, Hindernisse
zu überwinden im sozialen Miteinander. Denn besonders in
solchen Projekten finden sie die Möglichkeit in fachkompetenter
sorgsamer Begleitung erste Schritte im Miteinander und nicht
Gegeneinander zu machen. Alle hatten den Mut aufzubringen, sich
fasziniert und begeistert über erfolgreiche Selbstüberwindung
es geschafft zu haben. Angst zulassen und trotzdem überwinden
mit der Wachsamkeit und Konzentration, das ist der Kick.
Übrigens, aus nassem Holz Feuer zu entfachen war auch eine
Kunst des Überlebens, die im Rahmen des Survivals beigebracht
wurde.
Mit Aggressionen verstand sich das Team gut umzugehen und mit
geeigneten Methoden diese Power in konstruktive Auseinandersetzungen
umzuleiten. Entscheidend ist, dass die Jugendlichen lernen,
Gewalt ist kein geeignetes Mittel zur Lösung von Konflikten.
Jeder hatte knochenhart gearbeitet und seine Rolle in der Gruppe
gefunden. Die Eltern waren erstaunt über das Durchhaltevermögen
und die gute Laune ihrer restlos verdreckten Kinder.
- Mitteilungsblatt der Gemeinde Lindlar vom 18.11.1999
Viele wussten gar nicht,was in ihnen steckt
Ziel seiner Aktionen ist, den Heranwachsenden in Grenzsituationen
zu zeigen, wie Konflikte auch ohne Gewalt zu lösen sind.
Hindernisse überwinden lernen die Projektteilnehmer beim
Trialfahren über Stock und Stein.
Dabei lernen die Jugendlichen auch neues Selbstvertrauen. Viele
wussten nicht, was überhaupt in Ihnen steckt.
Nur gesunde Lebensmittel kommen auf den Tisch. “Pommes
rot-weiß“ ist für die Dauer des Projektes passè.
Martin Ritter hat im vergangenen Jahr immer wieder beobachten
können, wie die Kinder und Jugendlichen ihr Sozialverhalten
änderten. „Ältere übernahmen plötzlich
Verantwortung für Jüngere“. erinnert er sich.
Jeder half jedem. Ob es nun beim gemeinsamen Hangeln an einem
Seil über ein Gewässer gewesen sei oder beim Lesen
eines Kochrezeptes. „In diesen Situationen muss man sich
auf den anderen verlassen können“, sagt, Ritter,
„und nur wenige der Teilnehmer konnten sich in ihrem Leben
bisher auf jemanden verlassen“.
Die positiven Erfahrungen zeigten Wirkung „Beispielsweise
veränderte schon manch einer sein Sprachverhalten. Während
er vorher nicht ohne „ey“ oder „ne“
auskam, war er am Ende des Projektes in der Lage, drei bis vier
Sätze hintereinander zu formulieren.“
- Kölnische Rundschau, 04.Februar 1999
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